Designer, die Spielkarten in den letzten zwanzig Jahren revolutioniert haben
Lange Zeit galten Spielkarten vor allem als Gebrauchsgegenstände: Werkzeuge zum Spielen, Zaubern oder einfach zum Zeitvertreib. Doch in den letzten zwanzig Jahren hat sich die Sammelkartenbranche grundlegend gewandelt. Das Kartenspiel ist längst nicht mehr nur ein Tischkissen: Es ist zum Designobjekt geworden, zum kleinen illustrierten Kunstwerk, zum Sammlerstück und oft zum Ausdruck einer individuellen künstlerischen Vision.
Diese Entwicklung ist eng mit dem Aufstieg des Crowdfundings verbunden. Dank Plattformen wie Kickstarter konnten viele unabhängige Designer limitierte Editionen direkt an die Öffentlichkeit verkaufen und dabei viel Wert auf grafische Details, Verpackung und Material legen. Laut PlayingCardDecks hat der Markt für individuelle Spielkarten durch das Aufkommen von Crowdfunding einen deutlichen Aufschwung erlebt. Es ermöglicht kreativen Köpfen, Projekte zu veröffentlichen, die über traditionelle Vertriebswege sonst kaum realisierbar gewesen wären. (PlayingCardDecks.com)
Vor dem modernen Boom: Vom Hersteller zum Designer
Im 20. Jahrhundert war die Rolle des Designers oft weniger sichtbar als die des Herstellers. Traditionsreiche Marken wie De La Rue, Fournier, Piatnik, USPCC und Grimaud spielten eine zentrale Rolle, während der Grafikdesigner des Kartenspiels meist im Hintergrund blieb. Es gab jedoch bemerkenswerte Ausnahmen. 1957 entwarf Jean Picart le Doux ein Kartenspiel zum 125-jährigen Jubiläum von Thomas De La Rue. Es wurde aus Vorschlägen internationaler Künstler ausgewählt und ist für die Eleganz der Bildkarten und den raffinierten Einsatz von Farben bekannt. (The World of Playing Cards)
Ein weiteres beispielhaftes Beispiel ist Salvador Dalí, der 1967 ein Kartenspiel mit Bildkarten schuf, die vom französischen „Paris“-Muster inspiriert waren und mit surrealistischen Motiven, schmelzenden Uhren und für seine Malerei typischen Anspielungen neu interpretiert wurden. (Die Welt der Spielkarten) Selbst in der Welt des Tarot hatte Pamela Colman Smith bereits 1909 bewiesen, wie ein Kartendeck zu einer eigenständigen Bildsprache werden kann: Das Rider-Waite-Smith-Tarot, von ihr für Arthur Edward Waite illustriert, zählt bis heute zu den einflussreichsten Referenzen. (The Morgan)
Der Unterschied zu den letzten zwanzig Jahren besteht darin, dass heute der Name des Designers oft untrennbar mit dem Wert des Decks verbunden ist.
Jackson Robinson: Die historische Erzählung des Kings Wild Project
Zu den einflussreichsten Namen der jüngeren Vergangenheit gehört Jackson Robinson, amerikanischer Illustrator und Gründer des Kings Wild Project. Sein Werk hat dazu beigetragen, die Idee des Kartendecks als illustrierte Geschichte zu festigen: Serien, inspiriert von Geschichte, Literatur, Geld, amerikanischer Kultur und wiedererkennbaren Erzählwelten. „Die Welt der Spielkarten“ nennt ihn sowohl Illustrator und Spielkartendesigner als auch Gründer des Kings Wild Project. (Die Welt der Spielkarten)
Sein Stil ist oft detailreich, plastisch und reich an historischen Bezügen. Kartenspiele wie Federal 52 haben gezeigt, wie Karten mit der Bildsprache von Banknoten, Archiven und dem nationalen Gedächtnis interagieren können.
Lorenzo Gaggiotti / Stockholm17: Das Kartenspiel als kleine Welt
Lorenzo Gaggiotti, ein italienischer Designer aus Stockholm, ist der Kopf hinter Stockholm17. Auf seiner Website erklärt er, dass er 2012 sein erstes individuelles Kartenspiel im Pokerformat entwarf und dabei eine aktive Community von Sammlern, Zauberkünstlern und Kartenspielern entdeckte. Er definiert jedes Deck als „kleine Welt“, die mit 54 Karten eine Geschichte erzählt. (Stockholm17)
Stockholm17 ist bekannt für Projekte wie Requiem, Heretic, The House of the Rising Spade, The Eye of the Ocean und Odd Fellows. Er gehört zu den Designern, die Karten am stärksten in Richtung einer narrativen, symbolischen und beinahe redaktionellen Dimension entwickelt haben. Laut Website erhielt Stockholm17 2024 außerdem den Diamond Award als Künstler des Jahres vom 52 Plus Joker Club. (Stockholm17)
Lotrek / Oath Spielkarten: Luxus, Folie und Experimentierfreude
Mit Lotrek und Oath Spielkarten betreten wir die Welt der Luxusspielkarten. Die offizielle Website von Oath stellt sich mit drei Schlüsselwörtern vor: „Luxus. Schönheit. Innovation.“ (Oath Spielkarten) Die Bedeutung liegt vor allem in der Forschung zu Materialien, Oberflächen, Metallic-Karten, Folien und Verpackungen.
Lotrek wird von Sammlern geschätzt, da das Kartenspiel als typografisches Kunstwerk betrachtet wird: nicht nur Illustrationen, sondern auch Druck, Reflexionen, Texturen und handwerkliche Perfektion.
Uusi: Traditionelle Kunst und moderne Spielkarten
Uusi, ein von Peter Dunham und Linnea Gits gegründetes Studio, beschreitet einen anderen Weg: den Übergang traditioneller Künstler in die Welt der individuellen Spielkarten. Die Marke wendet ihre Expertise seit 2012 auf Spielkarten an und hat sich eine Identität geschaffen, die auf Illustration, Malerei, Handwerkskunst und Materialien basiert. (PlayingCardDecks.com)
Kartenspiele wie Blue Blood, Bohemia, Pagan und Royal Optik zeichnen sich durch einen bildhaften Stil aus, der sich deutlich von den üblicherweise verwendeten digitalen Grafiken unterscheidet.

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